Zustand
die Seiten und der Einband sind altersbedingt gebräunt, fleckig, Umschlagkanten mit stärkeren Bestoßungen, ... Es ist ein Lebensbuch von fast sträflicher Schonungslosigkeit, eine sonderbare Art von übertragener Autobiographie, ein Werk, das mich mehr gekostet und tiefer an mir gezehrt hat als jedes frühere und dessen innere Erregung, glaube ich, noch dort durchschlägt, wo es am langweiligsten ist ... Es ist keine Generationen-Saga geworden diesmal, sondern eine fiktive Biographie, in der die Gemessenheit des Schreibenden und die Dämonie des Gegenstandes eine kuriose Mischung eingehen und die, von 1884 bis 1945 spielend, die Epoche zu umfassen sucht, in der ich gelebt habe. Wie Buddenbrooks" fern von seinem Schauplatz entstand, in Rom und München, so dieses Buch noch ferner von den seinen, tief abgetrennt von diesen durch alle Umstände, unter denen es, von 1943 bis 1946, geschrieben wurde, was dazu beitrug, seine Rücksichtslosigkeit, seinen menschlichen Radikalismus zu steigern. Soll ich ihn Unmenschlichkeit nennen? In der Figur des Helden selbst. dieses Adrian Leverkühn, liegt etwas Kaltes und Unmenschliches, aber auch so viel von Selbstopfer, daß es vielleicht die menschlichen Kruditäten des Buches, das kalte Porträt meiner Mutter, die Preisgabe des Schicksals meiner Schwestern, zu sühnen vermag. Eine eigentümliche Montage-Technik, erregend und aus Erregung kommend wie alles übrige, setzte sich durch, bei der Fragmente geistiger Wirklichkeit, wie etwa die Details aus Nietzsches Leidensgeschichte und das Thema der Shakespeare-Sonette, aber auch bürgerlicher Wirklichkeit, Namen, Fakten, der Fiktion gleichsam aufgeklebt wurden, etwas in dieser Weise mir nie Vorgekommenes und Zugestoßenes. (vom Umschlag) Beschreibung vom Antiquariat Ardelt 3m1a Antiquariat Ardelt